Nutzung von Abwasserwärme in Schleswig-Holstein

pixabay.com / AndreasLinden(CIS-intern) – Der Energieverbrauch pro Kopf steigt in den Industrieländern seit Jahrzehnten kontinuierlich weiter an. In immer mehr Haushalten werden täglich mehrere Smartphones, Tablets oder Laptops geladen und auch die Elektromobilität kann nur gefördert werden, wenn langfristig ausreichend Energie dafür zur Verfügung steht. Welche Rolle Abwasserwärme dabei spielt, soll nun Thema sein.

(Foto: pixabay.com / AndreasLinden – Unter unseren Füßen fließt nutzbare Energie in die Abwasserkanäle)

Auf der Suche nach neuen Energiequellen
Die Industrie benötigt immer mehr Energie zur Herstellung nachhaltiger und umweltfreundlicher Produkte. Durch den geplanten Atomausstieg müssen sich deutsche Kommunen intensiv auf der Suche nach neuen, sauberen Energiequellen machen. Kreative Köpfe sind dabei besonders gefragt, denn bei Sonnen- und Windenergie sorgt der Wetterwechsel immer wieder für Spitzen und Engpässe. Ideen, die auch ohne das Wohlwollen der Wetterfee auf Dauer günstige und saubere Energie erzeugen können, beschäftigen sich häufig mit der Nutzung von Restwärme oder anderen Abfallprodukten.

Verschiedene Speichermöglichkeiten sind ebenfalls ein Teil der Lösung und eine besonders außergewöhnliche Idee ist die Nutzung der Abwasserwärme. Mit ihr lässt sich die Temperatur in Gebäuden unkompliziert und vor allem wirtschaftlich sinnvoll regulieren. In Schleswig-Holstein traute man sich bereits 2013 eine Masterarbeit („Klima pro Lübeck“) zu diesem Thema vorzustellen.

Wie wird aus Abwasserwärme nutzbare Energie?

Bei Sonnen-, Wind und Wasserkraftwerken sind die möglichen Standorte sehr begrenzt und vor allem von der Landschaft und den Witterungsverhältnissen abhängig. Abwasser hingegen wird überall dort erzeugt, wo Menschen leben, Produktionshallen bewirtschaftet werden oder Freizeitaktivitäten stattfinden. Beim Duschen, Schwimmen, Waschen, Spülen und Reinigen gelangen Millionen Liter Abwasser in die Kanäle und die Temperatur beträgt je nach Jahreszeit zwischen 12 und 20° Grad.
Selbst im Winter reichen diese Temperaturen aus, um Energie zu erzeugen, da die Umgebungstemperatur deutlich niedriger ist. Hier ein paar technische Fakten dazu:

  • Solange das Abwasser wärmer ist als seine Umgebung, kann es technisch gut und wirtschaftlich sinnvoll verwertet werden.
  • Wärmetauscher nehmen die darin enthaltene Restwärme auf und über Wärmepumpen wird die gesammelte Energie zum Kühlen oder Heizen von Innenräumen nutzbar gemacht.
  • Wärmepumpen eignen sich besonders zur Energieerzeugung aus Abwasser, denn sie brauchen nur wenig Platz, laufen wartungsarm und arbeiten effizient.
  • Wirtschaftlich aktive Regionen könnten von dieser Form der Energiegewinnung schon in den kommenden Jahren profitieren und ihren CO2-Ausstoß deutlich senken.
  • Der Wirtschaftsstandort Norddeutschland zog im letzten Halbjahr eine positive Bilanz. Mit Blick auf die Abwasserwärmenutzung ist festzustellen, dass sich florierenden Produktionsstandorte aufgrund ihres Abwasseraufkommens besonders zur Energiegewinnung durch Wärmetauscher eignen, so auch der Wirtschaftsstandort Norddeutschland.

Voraussetzungen zur Nutzung von Abwasserwärme
Je mehr Abwasser anfällt, desto kontinuierlicher ist die Energiegewinnung daraus. Industriegebäude, öffentliche Schwimmbäder, Schulen, Wäschereien, und viele andere Betriebe bieten optimale Voraussetzungen zur Energiegewinnung durch Abwasser. Saubere Kanäle, die regelmäßig von professionellen Betrieben wie die Rohrexperten aus Lübeck gewartet werden, sind eine weitere Grundvoraussetzung für die effektive Nutzung der Restwärme aus dem Abwasser, denn bei Verstopfungen können die Wärmepumpen nicht mehr ausreichend versorgt werden.

Besonders effizient wird die Abwasserwärmerückgewinnung in der Nähe von Unternehmen, die viel warmes oder heißes Wasser zur Produktion benötigen. In Hochhäusern, größeren Wohnsiedlungen, Hotels und ganzen Stadtvierteln lässt sich die Temperatur in den Räumen kostengünstig und vor allem umweltfreundlich regulieren, denn es gibt technische Lösungen, die direkt vor Ort verbaut werden können.

Die Rückgewinnung von Abwasserwärme ist überall Thema
In Baden-Württemberg gibt es ebenfalls detaillierte Überlegungen, wie man die Technik zur Nutzung der Abwasserwärme bekannter machen kann. Einige Proj

ekte mit Anlagen zur Rückgewinnung von Abwasserwärme bewähren sich bereits seit mehr als 30 Jahren. Inzwischen weiß man auch, dass Standorte um Kläranlagen und Sammelkanäle besonders wirtschaftlich sind. Vor allem für das Beheizen von öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Verwaltungen und Hallenbäder lohnt sich ein Anschluss ans System, aber auch größere Wohnsiedlungen profitieren von der erneuerbaren Energiequelle.

In Lübeck fehlt es noch an wirtschaftlich sinnvollen Standorten
Die 2013 in Lübeck vorgestellte Masterarbeit im Rahmen der Initiative „Klima pro Lübeck“ zum Thema Abwasserwärmerückgewinnung kam zu dem Schluss, dass die Wirtschaftlichkeit für Lübeck noch an zu wenigen Standorten gegeben ist. Sicherlich wird aber die Idee beim Bau neuer Gebäude immer wieder aufgegriffen, denn die Zukunft der Energiegewinnung liegt nach der Meinung vieler Experten in einem gesunden Mix aus verschiedenen Teillösungen.